Adieu generisches Maskulinum: Warum es ein Auslaufmodell sein sollte

In der Vergangenheit war es eigentlich immer so: Sobald sich etwas verändert, hagelt es erstmal Kritik. So auch beim Gendern, das meist mit der Integration eines Sterns, eines Unterstrichs oder eines Doppelpunkts in geschlechtsspezifische Worte gleichgesetzt wird. Zu kompliziert, zu leseunfreundlich, zu unverständlich - so die weit verbreitete Meinung. Und überhaupt: Wer integriert bitteschön Satz- oder Sonderzeichen mitten in ein Wort? Sodass aus Bewerber plötzlich Bewerber*in, Bewerber_in oder Bewerber:in wird.

Ja, das alles ist zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig. Und dennoch wollen wir eine Lanze für die gendergerechte Sprache brechen. Denn sie fördert Vielfalt und reduziert Diskriminierung. Ziel des Genderns ist es schließlich, Texte so zu verfassen, dass sich Menschen mit verschiedensten Geschlechtsidentitäten angesprochen fühlen. Das war bislang nicht so. Denn in Texten aller Art dominierte das generische Maskulinum. Beim generischen Maskulinum wird die männliche Form einheitlich für alle Geschlechter gewählt, also für Frauen, Männer und diversgeschlechtliche Personen. Der Haken: Zahlreiche Studien konnten nachweisen, dass sich Frauen oder Angehörige des dritten Geschlechts von dem generischen Maskulinum nicht in gleicher Weise angesprochen fühlen wie Männer.

Gendern in Stellenanzeigen birgt viele Chancen

Der Grund: Beim Lesen eines Textes entstehen Bilder im Kopf. Kommt etwa in einer Stellenanzeige ausschließlich die maskuline Form vor, sind diese Assoziationen eher männlich dominiert. Auch, wenn das gar nicht so gemeint ist. Machen wir doch mal die Probe aufs Exempel. Angenommen, du schreibst ein Jobinserat für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter aus: Welche Vorstellung kommt Dir jetzt in den Sinn? Wahrscheinlich erscheint vor deinem geistigen Auge ein männlicher Chemiker mittleren Alters im weißen Kittel hinter brodelnden Erlenmayerkolben, aus denen es ordentlich dampft und zischt. Richtig?

Jetzt achte mal darauf, was passiert, wenn stattdessen in deiner Stellenanzeige der Jobtitel wissenschaftliche Mitarbeiter*in steht? Dann entstehen bei den meisten Menschen vielfältige Ideen, wie die Person aussehen könnte, die gesucht wird. Sie könnte männlich, weiblich, transsexuell oder intergeschlechtlich sein.

Letztlich trägt also ein kleines Sternchen dazu bei, dass Menschen sichtbar werden, die vorher durch die Verwendung ausschließlich maskuliner Bezeichnungen ausgeschlossen wurden. Im Recruiting kann das nur von Vorteil sein. Denn es bewegt viel mehr Personen dazu, in einer Stellenanzeige auf den Bewerben-Button zu klicken. Einfach, weil sie merken: Der Arbeitgebende meint auch mich.

Gendern, ohne dass es Lesende merken

Soweit zur Theorie. In der Praxis ist die Sache mit dem Gendern aber tatsächlich ein wenig komplex. Viele Personalsuchende tun sich schwer mit dem Verfassen gendergerechter Texte. Denn es funktioniert nicht auf Knopfdruck. Über jeden Satz muss man dreimal nachdenken und am Ende des Tages wimmelt es in Stellenanzeigen nur so von Sonderzeichen und kein Mensch versteht mehr irgendwas.

Wir haben aber eine gute Nachricht für dich: Es gibt Wege, eine Stellenanzeige gendergerecht zu formulieren, ohne dass die Lesbarkeit darunter leidet. Was viele am Gendern nämlich missverstehen: Es bedeutet nicht, alle personenbezogenen Ausdrücke zwingend mit einem Stern, Doppelpunkt oder einem Unterstrich versehen zu müssen. Im Gegenteil! Wir würden dir sogar dazu raten, diese Form in deinen Stellenanzeigen eher handverlesen und am besten nur in kurzen Sätzen zu nutzen. So bleiben diese verständlich.

Kennst du gendergerechte Alternativschreibweisen?

Im restlichen Text kannst du gendergerechte Alternativschreibweisen verwenden. Dieser Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, dass das problemlos möglich ist. Er ist gegendert. Das Sternchen haben wir aber nur sehr sparsam eingesetzt und stattdessen geschlechtsneutrale Formen genutzt. Die schließen auch niemanden aus.

Du kannst viele Worte so beugen, dass sie zum Neutrum werden und somit alle Geschlechter ansprechen: Aus Bewerber werden Bewerbende oder Jobsuchende. Aus dem Geschäftsführer wird die Geschäftsleitung. Aus dem Assistenten oder der Assistentin wird die Assistenz.

Es gibt außerdem Ausdrücke, die von vornherein geschlechtsneutral sind. Die Fachkraft statt Experte oder Expertin. Oder das Talent statt Bewerber oder Bewerberin. Und falls du gerade in deiner Stellenanzeige nach einer Krankenschwester oder einem Pfleger suchst, dann schreibe doch einfach: Wir sind auf der Suche nach Pflegepersonal. Problem gelöst.

Der Plural ist immer geschlechtsneutral

Aber wie hältst du es mit Berufsbezeichnungen, in denen das Geschlecht direkt im Wort steckt? Das ist bei Kaufmann oder Kauffrau der Fall. Ganz einfach: Nutze den Plural – der ist immer geschlechtsneutral! Schreibe in den Jobtitel deiner Stellenanzeige einfach Kaufleute.

Schau mal genau hin! Solche Formulierungen finden sich inzwischen immer häufiger in Jobinseraten. Waren sie anfangs vielleicht noch ungewohnt, kommen sie uns inzwischen vertrauter vor. So ist das nun mal mit Veränderungen - alles eine Frage der Zeit. Und irgendwann wundern wir uns, warum wir uns vor ein paar Monaten noch so aufgeregt haben. Das wird auch beim Gendern so sein, da sind wir uns sicher.

Ein Tipp zum Schluss: Setze auf Abwechslung

Mit ein wenig Übung werden auch deine Texte gendergerecht. Und wenn dir zwischendurch das generische Maskulinum hineinrutscht, ist das überhaupt kein Drama. Kein Mensch hat je gesagt, dass du die männliche Form ab sofort in den texterischen Giftschrank packen musst. Du kannst sie nach wie vor einsetzen. Nur nicht ausschließlich. Finden sich in deinem Text immer wieder neutrale Begriffe und hier und da auch das Sternchen, signalisierst du: „Bei uns ist jeder oder jede Bewerber*in willkommen.“

Es gibt übrigens noch mehr Möglichkeiten. Du kannst hier und da auch mal nur die weibliche Form verwenden. Nach dem Motto: „Kandidatinnen loben immer wieder unser tolles Betriebsklima.“ Oder nutze die Doppelnennung der Geschlechter: „Kolleginnen und Kollegen“ oder „Managerinnen und Manager“. Wenn du all diese Formen mischst und wohldosiert einsetzt, werden deine Stellenanzeigen garantiert nicht an Lesbarkeit einbüßen. Im Gegenteil. Sie wirken vielfältiger und bunter und jeder fühlt sich abgeholt.

Fazit

Unser Fazit: Ganz so schwer ist es mit dem Gendern in Stellenanzeigen, und natürlich auch auf Karriereseiten und im kompletten Employer Branding, nicht. Auch für uns ist das Ganze noch neu und wir üben noch. Aber wir werden von Mal zu Mal besser. Und wir müssen sagen: Es macht Spaß, sich darauf einzulassen. Denn damit öffnest du sehr vielen Menschen die Türen im Recruiting. Und das ist es allemal Wert…!

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Dominik Becker Veröffentlicht am 24.11.2021 in der Kategorie HR Allgemein
*Auf unserer Blogseite verwenden wir aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.